Auf Amrum gibt es mehr als elf Kilometer Bohlenwege. Die Holzpfade führen überwiegend durch das Naturschutzgebiet Amrumer Dünen zum Kniepsand, und sie sind dort meist der einzige erlaubte Weg, denn die Dünen selbst darfst du mit wenigen Ausnahmen nicht betreten. Die bekanntesten Strecken sind der rund 1,1 Kilometer lange Bohlenweg in Nebel-Westerheide mit zwei Aussichtsplattformen, der gut 1,2 Kilometer lange Weg von der Vogelkoje Meeram zum Quermarkenfeuer bei Norddorf und das Wegenetz zwischen der Aussichtsdüne A Siatler und der Himmelsleiter in Norddorf. In Wittdün verzweigen sich die Bohlen rund um den Wriakhörnsee, in Süddorf führt ein Weg vom Strandparkplatz durch den Wald zum Strandübergang. Unterwegs findest du Bänke, kleine Brücken über Dünentäler und Treppen hinauf zu den Aussichtspunkten. Bei Nässe werden die Bohlen rutschig, barfuß solltest du wegen möglicher Splitter nicht laufen.

Warum gibt es auf Amrum so viele Bohlenwege?
Der Grund liegt im Sand. Die Dünen im Westen der Insel stehen zum größten Teil unter Naturschutz: Das Naturschutzgebiet Amrumer Dünen umfasst rund 728 Hektar, die Verordnung gilt seit 1971. Dünengras und die übrige Vegetation halten den Sand fest. Wird die Pflanzendecke zertrampelt, wächst sie nur sehr langsam nach, und der Wind kann die Düne abtragen. Weil der Dünengürtel die Insel bei Sturmfluten schützt, gilt auf Amrum der Leitsatz „Dünenschutz ist Inselschutz“.
Die Bohlenwege lösen einen Zielkonflikt: Gäste und Insulaner sollen die Dünenlandschaft erleben können, ohne sie zu beschädigen. Also führen erhöhte Holzwege hindurch, und abseits davon bleibt die Düne in Ruhe.
Gebaut werden die Wege heute meist aus Planken aus sibirischer Lärche auf einem Unterbau aus Eichenpfählen. Die Bohlen liegen quer zur Laufrichtung und haben Rillen, die für etwas Halt sorgen. Früher wurden auch längs verlegte Bohlen verbaut, die sich aber als weniger witterungsbeständig erwiesen. Die letzten Abschnitte des heutigen Netzes, Wittdün bis Wriakhörn und Vogelkoje bis Quermarkenfeuer, wurden 1986 fertiggestellt.
Ewig hält das Holz nicht. Ein neuer Weg soll ungefähr 20 Jahre durchhalten, danach beginnt die Fäulnis. Einzelne helle, frisch eingesetzte Bohlen zeigen, wo ausgebessert wurde. Komplett erneuert wurden in den vergangenen Jahren unter anderem die Wege am Wriakhörnsee (Februar 2025), zwischen Vogelkoje und Quermarkenfeuer (Oktober 2023) und in Westerheide (Dezember 2022). Allein der Neubau in Westerheide kostete nach Angaben der Amrum News 360.000 Euro, dazu 75.000 Euro für die Entsorgung des alten Weges. Getragen werden die Bohlenwege von den Inselgemeinden, finanziert aus den kommunalen Haushalten, in die anteilig auch die Kurabgabe fließt. Das Land Schleswig-Holstein hat Neubauten bisher zur Hälfte gefördert.
Welche Bohlenwege gibt es in Wittdün und Süddorf?
Rund um den Wriakhörnsee am westlichen Ortsrand von Wittdün liegt ein weit verzweigtes Netz. Du erreichst es von der Wandelbahn aus, die ab Köhns Übergang als Bohlenweg bis zum westlichen Ende des Sees weiterführt. Dort geht es links ab zum Kniepsand oder auf den Dünenwanderweg in Richtung Leuchtturm.
Von der Inselstraße führen vier Querverbindungen hinüber zum See: vom Kiefernweg über die Wittdüner Aussichtsdüne, vom AmrumSpa und Badeland aus, vom Passatweg und vom Campingplatz aus. Von der Wittdüner Aussichtsdüne aus reicht der Blick über den Süden der Insel.
In Süddorf beginnt ein Bohlenweg am Strandparkplatz. Er verläuft, mit einer Unterbrechung, parallel zum asphaltierten Weg durch den Wald bis zum Strandübergang. Etwa auf halber Strecke zweigt ein Weg zur Süddorfer Aussichtsdüne ab. Wer nach dem Strandtag noch die Weite des Kniepsands vor Amrum von oben sehen möchte, nimmt diesen kurzen Umweg mit.
Nebel: Westerheide und der Blick aufs Watt
Der Bohlenweg in Westerheide liegt am nördlichen Ortsrand von Nebel. Im Dezember 2022 wurde er nach einem kompletten Neubau wieder freigegeben. Vom Noorderstrunwai, Bushaltestelle „Westerheide“, gehst du zunächst durch den Amrumer Wald Richtung Westen. Am Waldrand beginnt der rund 1,1 Kilometer lange Holzweg durch die Dünen.
Zwei Aussichtsplattformen liegen am Anfang und am Ende des Weges. Die zweite, am Dünenübergang zum Kniepsand, bietet die weiteren Blicke: nach Südosten bis zum Leuchtturm, nach Nordwesten auf die Nordsee. An sehr klaren Tagen erkennst du mit dem Fernglas die Windräder des Offshore-Windparks Amrumbank West. Beim Neubau kamen mehrere kleine Brücken über Dünentäler dazu, am Ende führt eine Treppe in die Vordünen und weiter zum Strand, an dieser Stelle zum FKK-Bereich. Unterwegs stehen Bänke für eine Pause.
Auf der anderen Seite des Dorfes, in Verlängerung des Meeskwai, führt ein kurzes Stück Bohlenweg zu einer kleinen Aussichtsplattform, die in die Wattlandschaft hineingebaut ist. Für einen Abendspaziergang mit Blick über das Watt ist das eine ruhige Alternative zum Weg an den Kniepsand.
Von der Vogelkoje zum Quermarkenfeuer
Dieser Weg verbindet gleich mehrere Ziele. Er beginnt an der Vogelkoje Meeram, einem früheren Entenfang, der von 1866 bis 1936 in Betrieb war und heute frei und kostenlos zugänglich ist. Um die Koje selbst führt ebenfalls ein Bohlenweg. Mehr zu ihrer Geschichte erzählt unser Beitrag über die Vogelkoje Meeram auf Amrum.
Von der Vogelkoje geht es vorbei an einem Grubenhaus und am Nachbau eines eisenzeitlichen Hauses, der 2014 fertiggestellt wurde. Dann führt der gut 1,2 Kilometer lange Bohlenweg in leichten Wellen durch Dünen und Heide. Im Spätsommer, wenn die Heide blüht, ist die Strecke besonders reizvoll. Wann die Blüte einsetzt und wo sie am dichtesten ist, verrät unser Beitrag zur Heideblüte in den Amrumer Dünen.
Am Ende steigst du über eine steile Holztreppe zum Quermarkenfeuer Norddorf hinauf, das 1906 errichtet wurde. Daneben liegt eine kleine Aussichtsplattform mit Bänken. Von dort reicht der Blick über Heide, Dünen und Kniepsand. Ein Stück weiter führt eine zweite Treppe in die Vordünen und zum Strand. Was es mit dem Quermarkenfeuer auf sich hat, steht im Beitrag Quermarkenfeuer und die anderen Leuchttürme Amrums. Der Weg wurde 2023 samt Treppen erneuert.
Norddorf: A Siatler, Düüwdääl und Himmelsleiter
Südwestlich von Norddorf liegt ein weiteres Netz. Von der Bushaltestelle „Aussichtsdüne“ in der Lunstruat führt ein Bohlenweg auf die Düne A Siatler, mit rund 32 Metern die höchste Düne Amrums. Von dort geht es weiter zur Querverbindung durch das Düüwdääl, die am Minigolfplatz beginnt und durch die Dünen bis zur Himmelsleiter führt. Über diese Treppe steigst du hinunter auf den Kniepsand. Auch von Norden, aus Richtung Fleegamwai und Risamwai, der früheren Bahnstrecke zum Norddorfer Strand, erreichst du das Düüwdääl auf Bohlen.
Eine Besonderheit ist der Bohlenweg am nördlichen Ende der Norddorfer Marsch. Er führt nicht an den Kniepsand, sondern Richtung Amrumer Odde zum Ausgangspunkt der Wattwanderungen nach Föhr. Anders als alle anderen Bohlenwege der Insel hat er laut Amrum News seitliche Begrenzungen. Wer die Wanderung über das Watt plant, findet in unserem Beitrag zur Wattwanderung auf Amrum alles zu Führungen und Gezeiten.
Weiter nördlich, an der Odde, gibt es noch einen kleinen Bohlenweg am Vogelwärterhaus des Vereins Jordsand. Ihn kannst du allerdings nur im Rahmen einer Führung betreten.
An den Strandübergängen in Süddorf, Nebel und Norddorf schließen sich im Sommer Bohlen an, die über den Sand Richtung Wasserkante führen. Ein großer Teil davon wird im Winter abgebaut, damit höhere Fluten sie nicht wegspülen.
Was gilt auf den Bohlenwegen?
Die wichtigste Regel ist einfach: Bleib auf dem Holz. Im Naturschutzgebiet ist das Betreten der Dünen fast überall verboten, die Bohlenwege sind der vorgesehene Weg. Das gilt auch für Kinder, die einen Dünenhang hinunterrutschen wollen, und für das Foto „nur kurz von da drüben“.
Hunde müssen im Naturschutzgebiet, im Amrumer Wald und im Nationalpark an die Leine, Schleppleinen sind dort nicht erlaubt. Einen generellen Leinenzwang auf der ganzen Insel gibt es laut Amrum News (Stand 2021) nicht, die AmrumTouristik bittet aber darum, Hunde überall angeleint zu führen. Welche Strände und Routen sich mit Hund eignen, steht im Beitrag zum Hundeurlaub auf Amrum.
Ein paar praktische Hinweise aus dem Alltag auf den Wegen: Nach Regen, bei Tau oder Reif sind die Bohlen glatt, feste Schuhe mit Profil helfen. Barfuß solltest du nicht gehen, weil sich immer ein Splitter lösen kann. Die Treppen zu den Aussichtsdünen sind teils steil. Auf den offenen Abschnitten weht oft mehr Wind als im Dorf, eine Jacke gehört auch im Sommer in den Rucksack.
Mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen sind manche Abschnitte gut machbar, an den Aussichtsdünen und an vielen Dünenübergängen gibt es aber Treppen. Wer auf ebene Wege angewiesen ist, findet in Wittdün mit der befestigten Wandelbahn eine Alternative. Mehr dazu im Beitrag Barrierefrei auf Amrum unterwegs. Neben den Bohlenwegen hat Amrum nach Angaben der Amrum News etwa 37 Kilometer Wanderwege, 41 Kilometer Radwege und 44,5 Kilometer Reitwege.
Ausgangspunkte für Dünenspaziergänge
In Norddorf startet der Weg auf A Siatler an der Bushaltestelle „Aussichtsdüne“ in der Lunstruat. Die Ferienwohnung „Reethuk“ im Haus Pesel in Norddorf liegt im Parterre, mit Terrasse und Garten, rund 650 Meter vom Meer, gedacht für zwei Personen. Wer mit Hund reist, wohnt in der Ferienwohnung „Driiwholt“ im Hüs Sanskiin, einem Friesenhaus mit Reetdach zwischen Süddorf und Nebel. Bis zu zwei Haustiere sind erlaubt, der Strand liegt etwa 800 Meter entfernt. In Wittdün beginnt der Spaziergang zum Wriakhörnsee an der Wandelbahn. Die Ferienwohnung „Strandlöper“ an der Südspitze liegt rund 100 Meter vom Sandstrand und nimmt ebenfalls bis zu zwei Haustiere auf.
FAQ — Häufige Fragen zu Bohlenwegen auf Amrum
Wie viele Kilometer Bohlenwege gibt es auf Amrum?
Zusammengerechnet sind es mehr als elf Kilometer, die meisten davon führen durch die Dünen Richtung Kniepsand.
Darf ich auf Amrum die Dünen betreten?
Nein, mit wenigen Ausnahmen nicht. Im Naturschutzgebiet Amrumer Dünen sind die Bohlenwege der vorgesehene Weg.
Wie lang sind die bekanntesten Bohlenwege?
Der Weg von der Vogelkoje Meeram zum Quermarkenfeuer ist gut 1,2 Kilometer lang, der Weg in Westerheide rund 1,1 Kilometer. Für die übrigen Abschnitte liegen uns keine verlässlichen Einzellängen vor.
Wo beginnt der Bohlenweg in Westerheide?
Am Waldrand westlich des Noorderstrunwai in Nebel, erreichbar über die Bushaltestelle „Westerheide“ und einen kurzen Waldweg.
Wie komme ich auf die höchste Düne der Insel?
Über den Bohlenweg ab der Bushaltestelle „Aussichtsdüne“ in Norddorf auf A Siatler, rund 32 Meter hoch.
Was ist die Himmelsleiter?
Eine Holztreppe in Norddorf, über die du vom Bohlenweg durch das Düüwdääl hinunter auf den Kniepsand gelangst.
Müssen Hunde auf den Bohlenwegen angeleint sein?
In aller Regel ja. Die meisten Bohlenwege liegen im Naturschutzgebiet, und dort wie im Wald und im Nationalpark gilt Leinenpflicht, Schleppleinen sind nicht erlaubt.
Sind die Bohlenwege bei Regen rutschig?
Ja. Nasses Holz wird glatt, auch die Rillen in den Bohlen verhindern das nicht ganz.
Kann ich die Bohlenwege mit dem Kinderwagen nutzen?
Teilweise. Ebene Abschnitte gehen gut, an Aussichtsdünen und vielen Dünenübergängen gibt es aber Treppen.
Sind die Bohlenwege im Winter geöffnet?
Die Wege durch die Dünen bleiben grundsätzlich begehbar. Viele Bohlen an den Strandübergängen werden im Winter jedoch abgebaut.
Wer pflegt die Bohlenwege?
Die Inselgemeinden. Sie finanzieren Erhalt und Neubau über ihre Haushalte, das Land hat Neubauten bisher zur Hälfte gefördert.
Gibt es unterwegs Bänke?
Ja, an vielen Strecken und auf den Aussichtsplattformen kannst du Pause machen.
Auf Holz durch die Dünen
Die Bohlenwege sind der Grund, warum du die Amrumer Dünen aus nächster Nähe erleben kannst, ohne ihnen zu schaden. Such dir für den Anfang einen der langen Wege aus, Westerheide oder Vogelkoje bis Quermarkenfeuer, und nimm dir Zeit für die Plattformen. Mit Fernglas und Jacke im Gepäck wird daraus ein halber Tag.
Eine Unterkunft als Ausgangspunkt für deine Dünenspaziergänge findest du auf www.amrum-appartements.de, in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf.