Es gibt diesen Moment, in dem du auf einer Sandbank im Wattenmeer plötzlich ein dunkles, glänzendes Etwas siehst, das den Kopf hebt. Die großen, neugierigen Augen treffen deine. Und für einen Augenblick stehst du still und fasziniert – du blickst einem Seehund in die Augen. Solche Momente bleiben im Kopf, lange nachdem der Inselurlaub vorbei ist.
Amrum ist eines der besten Reviere in Deutschland, um Seehunde und Kegelrobben in freier Wildbahn zu beobachten. Rund um die Insel leben mehrere hundert Tiere, die regelmäßig auf Sandbänken ruhen, ihre Jungen großziehen und im Wattenmeer auf Beutezug gehen. Mit ein bisschen Wissen, Geduld und den richtigen Tipps wirst du sie ganz sicher zu Gesicht bekommen.
In diesem Beitrag verrate ich dir, wo du die besten Chancen hast, welche Touren sich lohnen, was es mit den Robbenbabys auf sich hat und worauf du beim Beobachten achten solltest.

Seehunde, Kegelrobben oder beides? Die wichtigsten Bewohner
Im Wattenmeer rund um Amrum leben zwei verschiedene Robbenarten:
- Seehunde (Phoca vitulina): Die kleineren der beiden, etwa 1,40 bis 1,80 Meter lang, neugierig und meist in Gruppen anzutreffen.
- Kegelrobben (Halichoerus grypus): Größer, bis zu 2,50 Meter, mit kegelförmigem Kopf, eher Einzelgänger oder kleinere Gruppen.
Während Seehunde das ganze Jahr im Wattenmeer leben und im Frühsommer ihren Nachwuchs zur Welt bringen, sind Kegelrobben besonders im Winter aktiv. Beide Arten sind streng geschützt und faszinierende Bewohner unserer Nordsee.
Wo siehst du Seehunde rund um Amrum am besten?
Seehunde sind keine Tierpark-Bewohner – du musst zu ihnen kommen. Hier sind die besten Spots:
Die Sandbänke im Wattenmeer
Die größten Seehundsandbänke liegen rund um Amrum im offenen Wattenmeer. Vor allem zwischen Amrum und Föhr sowie nördlich der Insel ruhen oft mehrere Dutzend Tiere zur Niedrigwasserzeit. Um diese Spots zu sehen, brauchst du ein Boot.
Die Amrumer Odde
Die nördlichste Spitze der Insel ist Naturschutzgebiet und ein hervorragender Aussichtspunkt. Mit einem Fernglas kannst du von dort aus oft Seehunde auf den Sandbänken in der Ferne erspähen. Im Frühjahr und Herbst rasten hier zudem riesige Vogelschwärme.
Die Inselspitze bei Wittdün
Auch im Süden der Insel gibt es Sandbänke, auf denen Seehunde liegen. Bei klarem Wetter und mit Fernglas hast du gute Chancen.
Die besten Bootstouren zur Seehundbeobachtung
Wer Seehunde aus der Nähe sehen möchte, bucht eine Seehundbeobachtungsfahrt. Mehrere Anbieter starten von Amrum, Föhr oder Hooge aus.
Was bieten die Touren?
- Dauer: ca. 2 bis 3 Stunden
- Boot: Klassische Krabbenkutter oder kleine Ausflugsschiffe
- Streckenführung: Vorbei an mehreren Sandbänken mit Seehundkolonien
- Erläuterungen: Vom Skipper oder einem Naturführer
- Beobachtungsabstand: Mindestens 100 Meter, um die Tiere nicht zu stören
Die Touren werden meist zur Niedrigwasserzeit angeboten, da dann die Sandbänke trockenfallen und die Seehunde gut sichtbar sind. Die Häufigkeit hängt von der Tide ab – informiere dich am besten in der Tourist-Information oder beim Anbieter direkt.
Was kostet eine Seehundtour?
- Erwachsene: ca. 18 bis 28 Euro
- Kinder: ca. 10 bis 15 Euro
- Familienkarte: oft günstiger ab vier Personen
Mit Kurkarte sind viele Touren vergünstigt. Im Hochsommer empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung, da die Boote schnell ausgebucht sein können.
Die schönste Tour: Robbenkutter ab Wittdün
Vom Hafen Wittdün starten regelmäßig Robbenkutter zu zweistündigen Touren ins Wattenmeer. Die Boote fahren in einem großen Bogen um Amrum und passieren mehrere Sandbänke. Bei guter Sicht kannst du Seehunde aus etwa 100 Metern Entfernung beobachten – nahe genug, um die Tiere klar zu sehen, aber weit genug, um sie nicht zu stören.
Auf dem Boot erfährst du viel über die Lebensweise, die Schutzmaßnahmen und die Geschichte der Seehundbestände in der Nordsee. Die Skipper sind erfahren und finden fast immer Seehundgruppen.
Robbenbabys auf Amrum – das große Naturschauspiel
Eine besondere Zeit für Seehundbeobachter ist der Frühsommer von Juni bis August. Dann werden die Seehundbabys, sogenannte „Heuler", geboren. Diese kleinen weißen Wonneproppen sieht man manchmal sogar einzeln am Strand. Wichtig ist:
- Niemals anfassen oder versuchen zu helfen
- Mindestabstand 30 Meter halten
- Hunde anleinen in der Nähe
- Sofort den Seehundjäger melden, wenn ein Baby allein und schwach scheint
Die Mutter ist meist nicht weit weg und kommt zurück, wenn keine Menschen oder Hunde in der Nähe sind. Die ehrenamtlichen Seehundjäger sind Spezialisten, die genau wissen, ob ein Tier Hilfe braucht.
Die Seehundstation in Friedrichskoog
Wer Seehundbabys aus der Nähe sehen möchte, fährt zur Seehundstation Friedrichskoog auf dem Festland. Dort werden gestrandete und verletzte Tiere aufgepäppelt und schließlich wieder ausgewildert. Eine spannende Einrichtung für Familien.
Kegelrobben – die Giganten der Nordsee
Kegelrobben sind seltener zu sehen als Seehunde, aber faszinierende Tiere. Im Winter von Dezember bis Februar kommen sie auf die Sandbänke zur Geburt ihrer Jungen. Diese Robbenwürfe sind ein einzigartiges Naturschauspiel.
Im Winter werden auch spezielle Kegelrobbenfahrten angeboten – meist von erfahrenen Naturführern begleitet. Das warme Innere eines Boots, der raue Wind und am Horizont eine Kolonie weißer Kegelrobbenjunge: ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Insidertipps für die Seehundbeobachtung
- Fernglas einpacken: Auch von Land aus siehst du oft Seehunde – mit Fernglas wird das Erlebnis intensiver.
- Gute Sicht abwarten: Bei Nebel oder Regen erkennst du wenig.
- Niedrigwasser nutzen: Bei trockenen Sandbänken sind die Tiere besser sichtbar.
- Geduld haben: Manchmal verschwinden die Tiere kurz, kommen aber wieder.
- Ruhe bewahren: Schreien und winken stört die Tiere und ist verboten.
- Mindestabstand respektieren: 100 Meter zu Wasser, 30 Meter an Land.
- Mit Kindern erklären: Was sie sehen, warum die Tiere wichtig sind und wie man respektvoll beobachtet.
- Wetter und Ausrüstung: Auf dem Boot kann es kalt werden, sogar im Sommer. Jacke, Mütze und Sonnenbrille sind sinnvoll.
Was du nicht tun solltest
- Nicht selbst auf die Sandbänke gehen: Streng verboten und gefährlich.
- Kein Futter mitbringen: Robben sind Wildtiere und sollen es bleiben.
- Keine Drohnen: Sie sind in Naturschutzgebieten verboten und stören die Tiere extrem.
- Keine Kinder oder Hunde nahe an Robbenbabys: Auch wenn sie noch so süß aussehen.
Wo informierst du dich vor Ort?
In jeder Tourist-Information auf Amrum bekommst du:
- Aktuelle Tourenpläne der Robbenkutter
- Tidekalender mit Niedrigwasserzeiten
- Karten der Sandbänke
- Empfehlungen für besonders gute Beobachtungstage
- Notfallkontakte der Seehundjäger und der Naturschutzbehörden
Auch online auf der Inselseite oder bei den Anbietern selbst findest du aktuelle Informationen.
Andere Tiere im Wattenmeer
Wenn du schon auf einer Bootstour bist, halte die Augen offen für weitere faszinierende Bewohner:
- Schweinswale: Die einzigen heimischen Wale, gelegentlich rund um Amrum.
- Austernfischer und Kormorane: Auf jeder Sandbank zu Hause.
- Möwen aller Art: Lachmöwe, Silbermöwe, Mantelmöwe.
- Brandseeschwalben und Lachseeschwalben: Im Sommer in großer Zahl.
- Schweinswale: Die einzigen heimischen Wale, gelegentlich rund um Amrum.
Eine Robbenkuttertour ist also fast immer auch eine Vogelkuttertour. Mit Glück siehst du sogar Schwertwale oder andere Großtiere – aber das bleibt die Ausnahme.
Deine Basis für entspannte Inselausflüge
Wer Seehunde und Wattlandschaften erleben möchte, sollte zentral und nahe am Hafen wohnen. Das Amrum Appartement Centrum bietet auf www.amrum-appartements.de zahlreiche Ferienwohnungen in Wittdün, Steenodde und den anderen Orten – perfekt für Ausflüge per Schiff oder Bus. Nach einem Tag auf dem Wasser kommst du in eine warme Wohnung, kannst die Tour Revue passieren lassen und vielleicht sogar einen Hering essen, während die Möwen draußen weiter ihre Runden drehen.
Häufig gestellte Fragen zur Seehundbeobachtung auf Amrum
Wann sehe ich am besten Seehunde auf Amrum?
Im Frühsommer von Mai bis August gibt es die meisten Tiere auf den Sandbänken, da dann die Babys geboren werden. Aber auch im Frühling und Herbst hast du gute Chancen.
Sehe ich Seehunde auch ohne Bootstour?
Mit einem starken Fernglas und Geduld vom Strand oder von der Amrumer Odde aus durchaus möglich. Die Tiere sind aber weit weg und kleiner zu sehen.
Wie nah komme ich auf der Robbentour an die Tiere?
Etwa 100 Meter ist der Mindestabstand, den die Skipper einhalten. Mit Fernglas oder gutem Zoom auf der Kamera bekommst du dennoch eindrucksvolle Bilder.
Wie lange dauert eine Seehund-Bootstour?
Etwa 2 bis 3 Stunden, je nach Tide und Wetter. Die Touren starten meist zur Niedrigwasserzeit.
Sind Seehundtouren auch für Kinder geeignet?
Ja, definitiv. Kinder lieben das Erlebnis, und die Touren sind sehr kindgerecht. Bei kleinen Kindern auf Schwimmweste achten – die Skipper haben passende Größen.
Was ziehe ich für die Bootstour an?
Auch im Sommer ist es auf dem Wasser oft windig und kühl. Lange Hose, Pullover, Windjacke und Mütze sind empfehlenswert. Sonnencreme nicht vergessen.
Kann ich Seehunde anfassen oder füttern?
Nein, beides ist verboten. Seehunde sind streng geschützt, und Fütterung kann ihre Gesundheit gefährden. Halte immer Abstand.
Was mache ich, wenn ich ein einsames Seehundbaby am Strand finde?
Halte mindestens 30 Meter Abstand, lass den Hund anleinen und melde den Fund sofort dem Seehundjäger. Die Nummer findest du in der Tourist-Information oder über die Inselseite.
Werden die Tiere durch die Touren gestört?
Die Skipper sind verpflichtet, Mindestabstände einzuhalten. Bei korrekter Durchführung werden die Tiere nicht gestört.
Kann ich auch Kegelrobben sehen?
Ja, vor allem im Winter zwischen Dezember und Februar. Spezielle Wintertouren werden angeboten, um die Geburt der Robbenjungen zu erleben.
Sind die Tiere nicht gefährlich?
Solange du Abstand hältst, definitiv nicht. Seehunde sind scheu und ziehen sich zurück, wenn sie sich bedroht fühlen. Niemals nähern oder anfassen.
Wie viele Seehunde leben rund um Amrum?
Im gesamten Wattenmeer leben etwa 25.000 Seehunde, davon mehrere Hundert direkt rund um Amrum. Die Bestände haben sich in den letzten Jahrzehnten erholt.
Eine Begegnung mit Seehunden ist ein echtes Geschenk – ein Moment, in dem die Natur zu dir spricht und du verstehst, was wir an unserer Nordsee haben. Friesisch herzlich willkommen in der Welt der Seehunde!

