Süddorf auf Amrum

das älteste Dorf und Hark Olufs

Süddorf ist der Ort, an dem Amrum am ländlichsten wirkt. Alte Bauernhöfe, reetgedeckte Friesenhäuser, Felder und Heide ringsum — und dazu eine Lebensgeschichte, die es mit jedem Abenteuerroman aufnimmt: Aus Süddorf stammt Hark Olufs, der berühmteste Amrumer, der als junger Seemann in nordafrikanische Sklaverei geriet und als General zurückkehrte.

Während Wittdün als junger Fährort den Badebetrieb bündelt, Norddorf mit Dünen und Odde den ruhigen Norden bildet und Nebel als Kirchen- und Museumsdorf das historische Zentrum ist, ist Süddorf das bäuerliche, alte Amrum. Wer Ruhe, Ursprünglichkeit und ein echtes Inseldorf ohne Trubel sucht, ist hier richtig.

Heidefläche in den Dünen bei Süddorf auf Amrum

Lage und Charakter

Süddorf liegt im Süden der Insel, rund einen Kilometer südlich von Nebel, etwa anderthalb Kilometer westlich von Steenodde und drei Kilometer nordwestlich von Wittdün. Verwaltungstechnisch ist Süddorf ein Ortsteil der Gemeinde Nebel — ein eigenes Rathaus gibt es also nicht. Der Ort erstreckt sich vor allem in Ost-West-Richtung und hat rund 300 Einwohner.

Das Ortsbild ist geprägt von großen Höfen und vielen reetgedeckten Häusern. Hotels gibt es keine, und eine strenge Bauordnung setzt Höhe und Erscheinungsbild der Häuser enge Grenzen — genau das bewahrt den ländlichen Charme. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist Süddorf allmählich in Richtung Nebel gewachsen, sodass die beiden Orte heute fast ineinander übergehen. Wer die Ruhe eines alten Bauerndorfs sucht, findet in Süddorf ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung mitten in diesem ursprünglichen Ortsbild.

Ein Dorf mit langer Geschichte

Süddorf wurde 1464 zusammen mit Norddorf als „Suder" erstmals urkundlich erwähnt und gilt damit als eines der ältesten Dörfer der Insel — tatsächlich ist es aber noch wesentlich älter. Schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit war die Gegend besiedelt. Davon zeugen mehrere bronzezeitliche Grabhügel sowie der Krümwal, ein rund 1800 Meter langer Erdwall, der vermutlich aus der Wikingerzeit stammt. Er verläuft südlich der Inselschule in Richtung Steenodde und ist an manchen Stellen noch bis zu zwei Meter hoch.

Über Jahrhunderte lebten die Süddorfer von Landwirtschaft und Seefahrt. Gerade die Seefahrt war für die kargen Inseln der wichtigste Broterwerb — mit großen Chancen, aber auch großen Gefahren. Eine dieser Lebensgeschichten hat Süddorf weit über Amrum hinaus bekannt gemacht.

Hark Olufs — vom Sklaven zum General

Hark Olufs wurde am 17. oder 19. Juli 1708 in Süddorf geboren, als Sohn des Kapitäns Oluf Jensen. Amrum gehörte damals zu Dänemark. Mit dreizehn ging er zur See; 1721 fuhr er als Matrose auf der „Hoffnung", einem Schiff seines Vaters.

1724 kam der Einschnitt: Auf der Fahrt von Nantes nach Hamburg wurde sein Schiff von algerischen Kaperern aufgebracht. Hark Olufs, sein Cousin Hark Nickelsen und ein weiterer Cousin wurden nach Algier verschleppt. Seine Familie konnte das geforderte Lösegeld nicht aufbringen, und weil das Schiff unter Hamburger Flagge fuhr, wurde auch ein Kredit aus der dänischen Sklavenkasse abgelehnt. So wurde Hark Olufs auf dem Sklavenmarkt von Algier verkauft.

Was dann folgte, klingt fast unglaublich: Am Hof des Beys von Constantine, im heutigen Algerien, stieg der junge Amrumer vom Diener zum Schatzmeister (Gasnadal) auf. Zwischen 1728 und 1732 wurde er Kommandeur der Leibgarde, 1732 dann Oberbefehlshaber der Kavallerie (Agha ed-Deira). Er begleitete seinen Bey sogar auf einer Pilgerfahrt nach Mekka — ein sehr frühes Zeugnis der Hadsch eines Europäers. Seine genaue Kenntnis des Islams und eine Heirat in Algerien deuten darauf hin, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Islam übertrat.

1735 nahm Hark Olufs an der Eroberung von Tunis teil. Zum Dank schenkte ihm sein Bey am 31. Oktober 1735 die Freiheit. Im April 1736 kehrte er als wohlhabender Mann nach Amrum zurück; sein Vater lebte noch. Er heiratete 1737 Antje Harken, mit der er fünf Kinder hatte, fuhr nie wieder zur See und bekleidete verschiedene Ämter auf der Insel. Vermutlich 1742 wurde er vom dänischen König Christian VI. empfangen, dem er seine Geschichte erzählte. 1747 veröffentlichte er auf Dänisch eine Autobiografie, die 1751 ins Deutsche übersetzt wurde — deshalb sind viele Stationen seines Lebens bis heute gut belegt. Hark Olufs starb am 13. Oktober 1754 in Süddorf.

Sein rot getünchtes Wohnhaus steht bis heute in Süddorf und wird von Nachfahren bewohnt; besichtigen kann man es nicht. Seine ganze Lebensgeschichte aber lässt sich nachlesen — auf seinem „sprechenden" Grabstein auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche im benachbarten Nebel.

Die Süddorfer Mühle „Bertha"

Süddorf besitzt die zweite, kleinere Windmühle Amrums. Ursprünglich wurde sie 1775 gebaut und stand zunächst in Munkmarsch auf Sylt. 1882 kaufte der Amrumer Kapitän Volkert Quedens — wohl derselbe, der einige Jahre später Wittdün als Seebad gründete — die Mühle und ließ sie in Süddorf für den Müller Heinrich Andresen wiedererrichten, und zwar auf einem bronzezeitlichen Grabhügel. 1893 wurde sie zu einer Holländerwindmühle mit Segelgatterflügeln umgebaut und war so bis 1939 in Betrieb.

Anders als die Mühle in Nebel, die heute ein Museum beherbergt, wird „Bertha" inzwischen als Wohnhaus genutzt. Besichtigen lässt sie sich deshalb nicht — aber sie gehört zum vertrauten Bild, wenn man durch Süddorf radelt.

Der Leuchtturm am Südrand

Am Südrand des Süddorfer Gebietes steht das Wahrzeichen der ganzen Insel: der Amrumer Leuchtturm. Er wurde 1875 in Dienst gestellt, steht auf einer 27 Meter hohen Düne und hat nach dem Leuchtturm von Helgoland das zweithöchste Leuchtfeuer der deutschen Nordseeküste. Mit seinem rot-weißen Anstrich ist er das markanteste Gebäude Amrums.

Weil der Turm nahe der Südspitze liegt, wird er meist mit Wittdün in Verbindung gebracht; geografisch gehört er aber zum Süddorfer Gebiet und damit zur Gemeinde Nebel. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick bei klarem Wetter weit über die Insel, den Kniepsand und das Wattenmeer.

Alltag: Inselschule und Klinik

Süddorf ist mehr als ein hübsches Dorf — hier schlägt ein Teil des praktischen Insellebens. In Süddorf steht die einzige Schule Amrums, die Öömrang Skuul, an der die Kinder der ganzen Insel unterrichtet werden. Am südwestlichen Ortsrand liegt außerdem die Klinik Satteldüne, eine Fachklinik, die auf Atemwegs- und Hauterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist. Sie zählt zu den größten Arbeitgebern der Insel.

Für den Urlaub bedeutet das: Süddorf ist kein museal stillgelegter Ort, sondern ein lebendiges Dorf, in dem gewohnt, gelernt und gearbeitet wird. Geschäfte und Restaurants findest du im wenige Fahrradminuten entfernten Nebel.

Strand und Natur

An den Strand ist es von Süddorf nicht weit. Am westlichen Ortsrand liegt ein Parkplatz, von dem ein Bohlenweg durch das Naturschutzgebiet Amrumer Dünen zum Kniepsand führt — dem kilometerbreiten Sandstrand, für den Amrum bekannt ist. Dieser Abschnitt ist ruhig und weitläufig und bei Kitesurfern beliebt, die den Wind über dem offenen Sand schätzen.

Rundherum liegen Heide, Felder und der Amrumer Wald. Süddorf ist damit ein guter Ausgangspunkt für lange Spaziergänge und Radtouren — die ganze Insel ist von hier aus in wenigen Minuten erreichbar.

Für wen sich Süddorf eignet

Süddorf ist die richtige Wahl, wenn du das ursprüngliche, bäuerliche Amrum suchst: reetgedeckte Höfe, Ruhe und ein echtes Dorf abseits des Badetrubels. Wer gern radelt, die Natur mag und abends seine Ruhe haben will, ist hier genau richtig — ebenso Familien, die es unaufgeregt mögen. Für Promenade, Fähre und viele Restaurants direkt vor der Tür ist Wittdün besser geeignet, für Dünen und Odde Norddorf. Süddorf liegt ruhig dazwischen und ist mit dem Rad schnell überall.

Weil es in Süddorf keine Hotels gibt, ist eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus hier ohnehin die passende Art zu wohnen. Eine Ferienwohnung in Süddorf — im reetgedeckten Friesenhaus oder ruhig am Ortsrand — findest du im Angebot des Amrum Appartement Centrums. Mit über 130 Unterkünften auf der ganzen Insel ist meist auch für deine Reisezeit etwas Passendes dabei.

Häufige Fragen zu Süddorf auf Amrum

Wo liegt Süddorf auf Amrum?

Süddorf liegt im Süden der Insel, rund einen Kilometer südlich von Nebel, etwa anderthalb Kilometer westlich von Steenodde und drei Kilometer nordwestlich von Wittdün.

Ist Süddorf wirklich das älteste Dorf Amrums?

Süddorf wurde 1464 zusammen mit Norddorf erstmals urkundlich erwähnt und gilt damit als eines der ältesten Dörfer der Insel. Tatsächlich ist es aber noch deutlich älter, wie prähistorische Grabhügel und der Krümwal zeigen.

Gehört Süddorf zu einer eigenen Gemeinde?

Nein. Süddorf ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Nebel, ebenso wie Steenodde.

Wer war Hark Olufs?

Ein Amrumer Seefahrer (1708–1754) aus Süddorf. Er geriet 1724 in algerische Sklaverei, stieg am Hof des Beys von Constantine zum Schatzmeister und Oberbefehlshaber der Kavallerie auf und kehrte 1736 als wohlhabender Mann nach Amrum zurück. Seine Autobiografie von 1747 macht ihn zu einer der am besten dokumentierten Figuren der Inselgeschichte.

Kann man das Haus von Hark Olufs besichtigen?

Nein. Sein rot getünchtes Wohnhaus steht bis heute in Süddorf, wird aber von Nachfahren bewohnt und ist nicht öffentlich zugänglich.

Wo steht der Grabstein von Hark Olufs?

Auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche im benachbarten Nebel. Der „sprechende" Grabstein trägt eine Kurzfassung seiner Lebensgeschichte.

Was hat es mit der Süddorfer Mühle „Bertha" auf sich?

„Bertha" ist die zweite, kleinere Windmühle Amrums. Sie wurde 1775 erbaut, stand zunächst auf Sylt und wurde 1882 von Kapitän Volkert Quedens in Süddorf auf einem Grabhügel wiedererrichtet. Bis 1939 war sie in Betrieb.

Kann man die Süddorfer Mühle besichtigen?

Nein. Anders als die Mühle in Nebel wird „Bertha" heute als Wohnhaus genutzt und ist nicht öffentlich zugänglich.

Steht der Amrumer Leuchtturm in Süddorf?

Der markante rot-weiße Leuchtturm steht am Südrand des Süddorfer Gebietes und gehört damit zur Gemeinde Nebel. Weil er nahe der Südspitze liegt, wird er oft Wittdün zugerechnet.

Gibt es in Süddorf eine Schule?

Ja. In Süddorf steht die Öömrang Skuul, die einzige Schule der Insel, an der die Amrumer Kinder unterrichtet werden.

Was ist die Klinik Satteldüne?

Eine Fachklinik am südwestlichen Ortsrand von Süddorf, die auf Atemwegs- und Hauterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist. Sie gehört zu den größten Arbeitgebern der Insel.

Wie kommt man von Süddorf an den Strand?

Vom Parkplatz am westlichen Ortsrand führt ein Bohlenweg durch das Naturschutzgebiet Amrumer Dünen zum Kniepsand. Der Abschnitt ist ruhig und bei Kitesurfern beliebt.

Gibt es in Süddorf Hotels?

Nein. In Süddorf gibt es keine Hotels; übernachtet wird in Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Das hält den Ort ruhig und ursprünglich.

Für wen eignet sich ein Urlaub in Süddorf?

Für alle, die das ursprüngliche, bäuerliche Amrum mögen: reetgedeckte Höfe, Ruhe und ein echtes Dorf abseits des Trubels. Für Promenade und Fähre ist Wittdün besser, für Dünen und Odde Norddorf — Süddorf liegt ruhig dazwischen.

Veröffentlicht vom Amrum Appartement Centrum